Kannst Du Dich noch an Deine erste Fastenkur erinnern?
Meine erste Buchinger-Fastenwanderwoche Anfang der 90er Jahre im Schwarzwald war unglaublich hart. Fastenleiter war ein Bergmann, ein Hauer aus dem Ruhrgebiet, dessen Zeche geschlossen worden war. Mit seiner unerschöpflichen physischen Kondition führte er uns auf Gewaltmärschen die Berge des Schwarzwaldes hinauf und hinab. Seine von uns bald gefürchtete Spezialität waren „kleine Abkürzungen“, auf denen wir uns dann heillos verirrten. Diese Woche habe ich als „Überlebenstraining“ abgespeichert, von dem ich mich noch einige Zeit erholen musste. Nach dieser extremen Einstiegserfahrung ist es für mich selbst ein Wunder, dass ich jetzt als Fastenleiterin unterwegs bin.
Was liegt Dir dabei besonders am Herzen?
Nach diesem „Überlebenstraining“ meiner ersten Fastenerfahrung ist es mir wichtig, einen Weg der Mitte für alle Fastengäste anzubieten. Je nach Konstitution sollen die Teilnehmer entweder streng oder sanft fasten, entweder lange oder kürzere Wanderungen machen können.
Warum wird eine Fastenkur so oft mit Wandern und Yoga kombiniert?
Das Wandern beim Fasten ist eigentlich ein Pflichtbestandteil, der begleitende Yoga die Kür. Ohne die mehrstündige gleichmäßige Bewegung durch das Wandern stockt der Fastenprozess. Wer sich beim Fasten nicht ausreichend bewegt, bekommt üble Kreislaufprobleme und schlechte Laune. Der Fastenstoffwechsel mit der gewünschten Fettverbrennung käme nicht in Gang, stattdessen würden wertvolle Muskeln abgebaut.
Yoga kann, muss aber nicht dabei sein. Das Yogaprogramm verhilft den Teilnehmern zu einem achtsameren Umgang mit sich selbst. Daraus können grundlegende Korrekturen für das weitere Leben entstehen. Das ist der größte Nutzen, der daraus gezogen werden kann.
Was ist Dir beim Yoga besonders wichtig?
Yoga – insbesondere wenn er meditativ gestaltet wird – regt die Selbstheilungskräfte des Menschen an. Ferner können wir durch Yoga unseren Geist und unsere mentale Stimmung beeinflussen und Resilienz entwickeln. Jeder sucht letztlich nach Glück und ich finde, mit den Yogatechniken bekommt jeder die Werkzeuge in die Hand, um sein Glück zu schmieden.
Worauf ist beim Fasten unbedingt zu achten?
Ich halte die Vorbereitungszeit zu Hause für das Wichtigste. Bei mir bekommt jeder Teilnehmer 14 Tage vor Beginn einen Countdown zur Vorbereitung. Manche Menschen reagieren beispielsweise auf den Entzug der Koffein-Droge äußerst empfindlich mit Kopfschmerzen oder sogar mit übler Migräne. Diese sensiblen Menschen sollten wirklich bereits zu Hause mit dem geordneten Entzug starten, um dann mehrere Tage vor Beginn der Fastenwoche „clean“ zu sein.
Wann ist ein guter Zeitpunkt für eine Fastenkur?
Meiner Erfahrung nach spielt es eine wesentliche Rolle, ob man generell überarbeitet und erschöpft oder einigermaßen ausgeruht ist. Bei völlig überarbeiteten Menschen bedeutet das strenge Buchingerfasten zusätzlichen Stress für den gesamten Organismus. Ich empfehle das strenge Fasten nur dann zu starten, wenn man ziemlich ausgeruht und fit ist. Sonst ist das sanfte Basenfasten wirklich die bessere Methode. Fasten wirkt bei jedem anders. Was aber eint, ist die Erfahrung aus der Überflussgesellschaft auszusteigen, und zu merken, dass wir gar nicht so viel brauchen.
