Wie bist Du zum Fasten gekommen?
Ende der 90er Jahre war ich mit zwei Freundinnen auf Mallorca, die während der Reise gefastet haben. Das hat mich neugierig gemacht und so habe ich das im Frühjahr danach selbst ausprobiert. Ich war super erstaunt, wie viel Energie ich plötzlich hatte. Ich habe das Fasten komplett mit in den Alltag integriert: Habe weiterhin gearbeitet und für die Familie gekocht, das hat gut funktioniert.
Ich fand das Fasten so toll, dass ich es auch anderen Leuten vermitteln wollte. Während der Ausbildung zur Fastenleiterin habe ich das erste Mal auswärts gefastet und festgestellt, wie schön das ist, wenn man dabei nicht arbeiten, kochen oder einkaufen gehen muss (lacht), sondern rundum versorgt wird. Daraus ist die Idee entstanden, Fastenreisen auf Rügen in meinen eigenen Räumen anzubieten. Ich biete ein "modifiziertes" Fasten nach Buchinger an, das heißt, ich ersetzte den obligatorischen Apfel beim Fastenbrechen durch Ballaststoffe in Form von Gemüse, da ich finde, dass die Leber nach dem Fasten nicht sofort wieder mit so viel Süße belastet werden sollte.
Warum überhaupt Fasten?
Fasten ist wie ein Reset-Knopf. Der ganze Organismus wird auf Null geschaltet, so dass dieser von Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol runter kommt. Ich selbst esse gern, viel und unkontrolliert. Durch das regelmäßige Fasten gelangt mein Körper wieder in einen guten Reinigungszustand. Das Bewusstsein für unseren Körper wird durch das Fasten geschärft. Wir haben schließlich nur den einen Körper, wenn wir den nicht gut pflegen, funktioniert alles andere auch nicht.
Wie unterstützt Yoga das Fasten?
Man ist natürlich geneigt, sich beim Fasten faul in die Ecke zu legen und nichts zu machen. Wenn man aber morgens schon anfängt, die Glieder zu recken, merkt man gleich, wie viel Energie da ist und in den Fluss gebracht werden kann. Außerdem muss man beim Fasten darauf achten, dass die fünf wichtigsten Organbereiche immer gut versorgt werden, da sie während des Fastens unheimlich viel verstoffwechseln müssen: Leber, Darm, Nieren, Lunge und Haut. Die ganze Peristaltik wird durch die Yogaübungen ständig in Bewegung gehalten, was das Entgiften unterstützt. Yoga und Fasten passen einfach super zusammen.
Wie sieht ein Tag während einer Fastenkur aus?
Die Teilnehmer müssen zeitig raus aus den Betten und vor acht runter an die Ostsee zum Kneippen, bei Wind und Wetter. Das ist nicht ganz unbeschwerlich bei mir, da erstmal eine Bergsteigung bewältigt werden muss – vor allem auf dem Rückweg, aber das schaffen alle. Danach gibt es zu Hause einen Tee, dann eine Stunde Yoga. Anschließend gehen wir 2 bis 3 Stunden wandern, mittags gibt es ein selbstgekochtes Süppchen – aus biologischen und regionalen Zutaten. Es folgt eine Mittagspause, damit alle runter fahren können und jeder Zeit für sich hat. Abends gibt es noch mal Yoga und frisch gepressten Saft.
Was sind die häufigsten Gründe für eine Fastenkur? Kommen viele, um Gewicht zu verlieren?
Keiner gibt es zu, aber jeder freut sich, wenn er oder sie ein paar Kilo verliert, auch ich bin davon nicht frei. Aber die meisten kommen, weil sie einmal raus wollen aus dem stressigen Alltag. Da herrscht eher das Gefühl vor, dass sich was Grundlegendes ändern muss. Will ich wirklich meine Zeit weiterhin mit Sachen verbringen, die mir nicht entsprechen, Dinge machen, bei denen mein Herz nicht dabei ist? Ob das jetzt die Ernährung ist, ein Jobwechsel … da passiert einfach eine grundlegende Veränderung während des Fastens.
