Wie bist Du zum Fasten gekommen?
Während meiner ersten Fastenkur, die ich im Rahmen der Ausbildung zur Fastenleiterin durchführte, habe ich alle möglichen Fastenkrisen, die sich durch die Stoffwechselumstellung einstellen können, mitgenommen: Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Entsäuerungsschmerz, der sich ein wenig wie Muskelkater anfühlt. Aber auch das Aufkommen von Leichtigkeit, das Gefühl, abgeben zu können, loszulassen. Ich entwickelte eine große Lust auf‘s Kochen, darauf, neue kreative Rezepte auszuprobieren - eine Erfahrung, die ich immer wieder beim Fasten mache.
Wie hat sich das Fasten auf Deinen Alltag ausgewirkt?
Man lernt seinen Körper durchs Fasten noch mal neu kennen. Dieses Gefühl, im Einklang mit sich zu sein. Um das auch nach der Fastenkur beizubehalten, reicht es manchmal schon, einfach an die frische Luft zu gehen. Einen täglichen Ruhepol zu schaffen, sich zu zentrieren, in die Balance zu kommen, auch auf seelisch-geistiger Ebene. Dabei helfen Achtsamkeitsübungen, die Atmung – Erfahrungen, die man u. a. auch beim Yoga macht. Beim Fasten ist diese Balance vom Stoffwechsel her sehr wichtig. Hier spielt vor allem der Säure-Basen-Haushalt eine wichtige Rolle, da viele Zivilisationskrankheiten darauf zurück zu führen sind.
Inwiefern beeinträchtigt der Säure-Basen-Haushalt den Stoffwechsel?
Bei einem ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt ist auch der Stoffwechsel in der Balance. Der Mensch fühlt sich vital, rundum gesund und ist geistig-seelisch ausgeglichen. Bei einer säurelastigen Ernährung, wie auch durch Stress und fehlende Erholungsphasen kommt es zu einer Übersäuerung. Der Darm reagiert mit einer schlechten Verdauung, Müdigkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Insgesamt lassen die Kräfte nach, der Kreislauf kann schwächeln, die Blutwerte verschlechtern sich. Es besteht die Gefahr, dass entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht auftreten.
Wie stelle ich nach einer Fastenkur meine Ernährung am besten um?
Das Abfasten ist eigentlich die schwierigste Übung und kann am Ende der Zeit noch einmal Geduld fordern. Hier lauert die Gefahr, schnell in alte Gewohnheiten zurück zu fallen. Die Aufmerksamkeit sollte sich auf kleine angemessene Portionen, langsames und achtsames Essen richten. Unbedingt hochwertige, primär pflanzliche, regionale, naturbelassene Lebensmittel verwenden, um das durch das Fasten sensibilisierte Geschmacksempfinden nachhaltig zu stärken. Naschen ist erlaubt. Sich ganz bewusst etwas gönnen ist ganz wichtig. Oft sind wir auf der Suche nach etwas, was häufig im Greifen nach irgendwelchen Lebensmitteln endet. Lebensmittel verlieren dadurch ihren Sinn als Nahrung, sondern werden zum Ersatz für etwas, das uns gerade fehlt. Beispielsweise für eine Pause, die man dann gar nicht macht. Essen und Trinken haben eine große Wirkung auf unser seelisches Wohlbefinden. Über das Fasten kann man ganz gut die Kurve kriegen, indem man sich gewahr macht, was Essen und Trinken für einen bedeuten sollte.
Gibt es extra Rezepte für die Zeit nach der Fastenkur?
Es gibt eine Beratung für die Tage danach, inklusive einem kleinen Pool an basisch ausgerichteten Rezepten. Eine Art Rüstzeug, um basische Lebensmittel mehr in die eigenen Kochkünste zu integrieren, statt wieder in eine zu säurelastige Ernährung zu geraten. Zu den besonders basischen pflanzlichen Lebensmittel gehören alle Gemüse, die unter der Erde wachsen. Alle Wurzelgemüse, Rübensorten, Sellerie. Sehr wichtig sind frische Kräuter, hochwertige pflanzliche Öle, Sprossen und Keime, da diese durch den Keimprozess der Samen an Mineralstoffen dazu gewinnen. Alle tierischen Lebensmittel, besonders Fleisch und Fisch sind Säurebildner und immer mäßig bzw. sparsam einzuplanen.
